In vielen WIGE - Details tauchen bei einer Recherche immer neue Fragen und Erkenntnisse auf und erfordern oft die Rücksprache mit Spezialisten und Analytikern. Die hier gezeigten Beispiele sind Arbeitsunterlagen, die später in meinem Buch ausrecherchiert sind.
Trotzdem darf ich einmal versuchen, Ihnen einige Fragestellungen einmal am Beispiel des aktuellen Verkaufs der Tochterfirma HD-Signs GmbH erklären. Nahezu in jeder Bilanz befinden sich zu hinterfragende Vorgänge.

WIGE gründete im Laufe der Jahre zahlreiche Firmen, zumeist in der Rechtsform der GmbH. Mal wurden Geschäftsbereiche ausgegliedert, dann oft umstrukturiert und wieder eingegliedert. Hierzu wird es ein gesondertes Kapitel geben. Viele Fragen sind im Augenblick bei der HD Signs GmbH unbeantwortet, bzw. tauchen immer neue Rechercheergebnisse und Zahlen auf.

August 2005 Gründung der HD Signs GmbH in Ismaning, Landkreis München. Pressemitteilungen dazu

Die Gesellschafterliste zeigt neben der WIGE Televison (70%) den Geschäftsführer Mentel-Hülsbusch (30%) als Inhaber.

Am 22.1.2007 kommt von WIGE Vorstandsmitglied Stefan Hoff als weiterer Geschäftsführer dazu.

Am 27.02.2008 gibt WIGE den rückwirkenden Verkauf der HD Signs GmbH rückwirkend zum 31.12.2007 bekannt.
Damit trennt sich WIGE von seinem 2. HDTV-Ü-Wagen und gibt den hoch gepriesenen süddeutschen Standort auf.
Interessant für eine publizierende AG in der Adhoc: Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Sofort stellt sich einem Journalisten die Frage: Wie will man den Kaufpreis bei einer AG "stillschweigend" verbuchen ?

Bis hierher war mir der Ablauf auch klar und logisch nachvollziehbar .....

WIGE hatte seinen 70% Anteil an Mentel-Hülsbusch übertragen, der damit das alleinige Sagen in der GmbH und zudem mit dem übernommenen HDTV-Wagen ein zukunftsträchtiges Produktionsmittel in der Hand hat.

Die Frage ist nur, woher hatte der Käufer die notwendigen Finanzmittel, um die Firma mit allen Aktiva und Passiva in seinen Besitz zu nehmen? Für WIGE macht es auf den ersten Blick des AdHoc einen Sinn, die Firma rückwirkend zum 31.12.2007 zu verkaufen, damit sich dieses noch auf die 2007 AG Bilanz auswirkt. Die Aktiva verbessern sich um 1.3 Mio. durch einen interessanten Posten.


Doch dann kommt die Überraschung in der 2007er Bilanz.
"Der Verkauf erfolgte rückwirkend zum 1.1.2008" (Quelle: Bilanz Seite 45)

Verwirrt war ich jetzt gespannt, ob denn die Firma bilanziell 2007 oder erst 2008 verkauft wurde. Die Frage beschäftigt zur Zeit noch einige Experten, denn die weiteren Bilanzdetails verwirren mich mehr, als das sie aufklären.

Nachfolgend einige Ausschnitte und Rechercheergebnisse mit Anmerkungen aus der Bilanz zum Thema HD Signs GmbH, damit Sie meine Recherchen besser verstehen können. Alle gezeigten Ausschnitte sind den Bilanzen der AG von 2007 und 2006, bzw. der HD-Signs GmbH von 2007 entnommen.

Warum wurde in der AdHoc der Verkauf vor dem Bilanzstichtag angegeben und in der Bilanz erst danach ?

Sollte der WIGE Bilanzstichtag nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen ?

Wie ist denn diese AdHoc zu verstehen bzw. wie wird sie von einem normalen Aktionär verstanden ?

In seinem Vorwort bezeichnet der Vorstand "den vollzogenen Verkauf als weiteres (!) Beispiel für die stetige und konsequente Realisierung des Strategieprozesses."

Dieser soll 2008 noch intensiver als bisher verfolgt und umgesetzt werden. (!)

Im Organigramm 2007 taucht die HD Signs GmbH schon gar nicht mehr auf, obwohl sie in der u.a. Liste der Töchter als 70% in die Vollkonsoldierung mit einbezogen wird, da "die WIGE-MEDIA die Kontrolle über die Finanz- und Geschäftspolitik inne hat."

3,4 Mio Umsatz und -0,2 Mio Jahresfehlbetrag.
Ausweisung der Aktiva und Passiva als "held for sale"

Jetzt wird es für mich als Laien wieder etwas komplizierter:
Es gibt also nicht nur die "Aktiva und Passiva" im "assets held for sale", sondern auch eine Forderung gegenüber der HD Signs in Höhe von 1,3 Mio, die nicht mit veräußert wurde. Also werden doch nicht alle Aktiva, wie behauptet als "held for sale" ausgewiesen (?)

Wie ist dieses möglich, wenn doch nach § 303 HGB eine Schuldenkonsolidierung erforderlich ist. Gibt es bei einer Veräußerung oder Schenkung andere Regelungen?
WIGE weist die Aktiva in einem "Consolidated Balance Sheet" aus. Wurde der § 303 nicht berücksichtigt?

Die Aktiva zur Hd Signs
mit 2 Positionen:

Die Forderung an die GmbH mit ca. 1.3 Mio und 2.594 Mio als "held for sale"

Haben wir damit automatisch die Summe mit insgesamt rund 4 Mio im AKTIVA ? Wie kann das sein, wenn die HD SIgns Bilanz "nur" 3.044 Mio. auswirft? Wo kommt die zusätzliche Aktiva-Million her?

Wenn es sich bei
III. Finanziellen Vermögenswerten mit 1.388 um die Forderung an die GmbH handelt, so verstehe ich nicht die Einstufung. Ist es eine Forderung aus Lieferung und Leistungen ? oder eine Forderung gegen ein (eigenes) Unternehmen, mit dem ein Beteiligungs-verhältnis besteht?
Sicherlich ein schöner AKTIVA-Posten; jedoch dürfte die Werthaltigkeit einige Fragen aufwerfen.

Im Vorjahr sah Punkt III. noch anders aus und enthielt tatsächlich Wertpapiere.

Passiva: held for sale

Schnell kommt man bei den Recherchen an einen Punkt, wo man Fachleute und Spezialisten für eine Aufklärung benötigt.

Deshalb hier nur die bisherigen ersten Rechercheergebnisse und meine erste laienhafte Sicht der Unterlagen. Es kann auch alles ganz simpel zu erklären sein.

Für die veräusserte HD Signs GmbH gilt, dass sie "im Wege der Vollkonsoldierung in den Konzernabschluss einbezogen wurde, da die WIGE die Kontrolle über die Geschäfts- und Finanzpolitik innehat."

Diese Konstellation ist sicher üblich, wirft für mich als Laien aber die Frage auf, ob die Firma eine Forderung an sich selber (vertreten durch die HD Signs) in Höhe von 1,3 Mio in den Aktiva als "Finanzielle Vermögenswerte" auftauchen verbuchen kann. Dieses insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt, dass die HD Signs nur durch eine Rangrücktrittserklärung der WIGE an einer Überschuldung vorbeischrammt. Die HD Signs dürfte vermutlich bei der Gewinnsituation (2007 Fehlbetrag 0,2 Mio) kaum in der Lage sein, die Schulden zu begleichen. Bei WIGE sehen durch diese Buchung die AKTIVA natürlich besser aus

Es taucht für mich immer wieder die Frage auf, ob und welcher Kaufpreis für den Verkauf geflossen ist.

Anscheinend sind einige Verpflichtungen bei der Mutter geblieben, die jetzt wiederum 1.3 Mio. als Forderung an die GmbH ausweist. Warum wird der Kaufpreis eigentlich nicht ausgewiesen bzw. im Text behandelt?

Muß eine AG nicht einen solch elementaren Schritt mit Zahlen öffentlichkeitswirksam unterlegen?

Andere Auffälligkeiten für einen Laien:
Während die GmBH noch Forderungen von (1) 527.674 (darunter 203.934 an die AG) hat, sind es in der AG-Bilanz nur noch (1) 356.000 (!) Selbst wenn ich aus Sicht der GmbH die Verbindlichkeiten um die Forderungen saldiere, komme ich nicht auf diesen Wert. Auch die (2) Kasse stimmt nicht überein. Völlig unklar ist, warum diese Werte in den beiden Bilanzen so abweichen können.

Die HD Signs hat insgesamt Verbindlichkeiten von 2.964.706 (incl. 1.312.099 gegenüber der AG).
Bei WIGE sind es in der Endkonsolidierung dann 3.021 und darin ist die eigene Forderung unter "sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten" in Höhe von (3) 1.307 (bei HD Signs 1.312) enthalten.

An keiner Stelle der Bilanzen konnte ich feststellen, wie diese Forderung von 1.3 Mio entstanden ist. Interessant dabei ist die Bilanzbezeichnungspolitik von WIGE, die bei mir regelmässig zu Verwirrungen führt und viele Recherchen erschwert. In diesem Fall z.B. interessierte ich mich bei den kurzfristigen Vermögenswerten für die Position der 1.3 Mio die unter III. Finanzielle Vermögenswerte gebucht wurde.
Was enthielt denn eigentlich der Vorjahreswert mit 515 TEur ? Die Bilanz 2006 gibt eine erstaunliche Auskunft.

Hier waren es 2006 noch Wertpapiere / Securities, die anscheinend in dieser Höhe 2007 nicht mehr auftauchen, dafür gibt es jetzt bei den AKTIVA die finanziellen Vermögenswerte mit den Forderungen an die eigene Firma. Für mich ist nicht erkennbar, wo denn eigentlich die 515 TEur oder Reste davon geblieben sind?

Wohl vermerkt, dieses kann alles völlig legal und in Übereinstimmung mit den IFRS Standards zusammenhängen; nur wer versteht das eigentlich noch? Der normale Anleger ist hier vermutlich völlig überfordert. Wie kann es sein, daß nach erster Inaugenscheinnahme die Werte in den Bilanzen von Mutter und Tochter so auseinander driften? Was stimmt denn jetzt eigentlich?

Hier taucht jetzt eine Darlehensforderung mit 240.000 auf, die die AG gegenüber der HD Signs hat.

Im Rahmen der Schuldenkonsoldierung müsste diese Darlehensforderung dann eliminiert werden.


Leider konnte ich in der WIGE Bilanz bisher noch keine Erläuterung dazu finden.

Nach den bisher vorliegenden Unterlagen komme ich mit meinen Recherchen an dieser Stelle nicht viel weiter und habe die Sachverhalte an einige Spezialisten gegeben, damit ich fundiert in meinem Buch die Buchungen plausibel erklären kann. Eventuell gibt es ja auch für alle unklaren Punkte eine schlüssige Erklärung ....

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Verdrehung der Fakten

Verkauf der HD Signs

Nach laienhafter Darstellung sehe ich nicht nur in der Vollkonsolidierung ein Control-Verhältnis. Es gibt zahlreiche weitere Indizien für die einheitliche Leitung.

Jetzt wird es komplizierter. Als Quelle benutze ich die Ausführungen von Prof. Dr. Klaus-Peter Franz und es wird für mich dabei immer schwieriger.
Also müssten doch eventuell nach § 303 Abs. 2 HGB die Bilanzpositionen eliminiert werden, die den Charakter einer Forderung oder Verbindlichkeit haben.

Jetzt kam die spannende Frage, ob die von der AG angewandte Rechnungslegung Abweichungen zulässt.

Aus der Literatur ergibt sich, dass anscheinend immer davon ausgegangen wird, dass "Forderungen und Verbindlchkeiten zwischen den einbezogenen Unternehmen im Zuge der Konsoldierung zu elimieren sind".

Schwierig für das Verständnis wird es dann noch an anderer Stelle:

In der Mutter-Bilanz hat die Tochter einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von 305 T€. Bei der Tochter sind es 249 T€.

In der Bilanzerläuterung der Mutter wird an anderer Stelle von "einen Jahresfehlbetrag von 0,2 Mio." berichtet. Schwer zu verstehen, welcher Wert denn nun eigentlich relevant ist.

Das negative Eigenkapital beträgt hier 425 T€ bei der HD Signs dann wieder ein anderer Wert.

Offene Frage:
Liegt bei einem negativen Eigenkapital = Überschuldung von 425 T€ nicht bereits ein Insolvenzgrund vor, wenn diese über die Rangrücktrittserklärung der Mutter in Höhe von 240 T€ hinaus geht ?

Die auf dieser Seite beschriebenen Ereignisse stellen die Aufzeichnungen und die journalistische Meinung des Verfassers aufgrund seiner Recherchen und Erlebnisse dar. Die präsentierten Zahlen sind gerundet, den öffentlichen zugänglichen Werten entnommen, bzw. mangels Vorlage geschätzt und dienen nur zur Trendanalyse und vereinfachten Darstellung. Die Details befinden sich in der jeweiligen Bilanz. Alle Fakten sind als "Fakt" gekennzeichnet. Links auf den Seiten sind durch Unterstrich gekennzeichnet. "Gerüchte" werden als solche bezeichnet.