Es ist - nach meiner Meinung und Recherche - für Aussenstehende nicht immer einfach, das System WIGE und die Investor Relations zu verstehen. Bewusst wurden anscheinend in den letzten Jahren immer wieder neue Firmenteile geschaffen, Kosten- und Ertragsstellen umgebucht, neu zugeordnet oder verschmolzen.

Seit mehreren Jahren habe ich unter wallstreet:online immer wieder detailiert das System dargestellt und insbesondere auf die -völlig legalen- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen hingewiesen.

Allerdings mussten von WIGE in dem Konzernabschluss 2007 erstmals den Standard IFRS 7 und die damit zusammenhängenden Änderung des IAS 1 angwendet werden. Damit ergaben sich erweiterte Angabepflichten, die plötzlich die Werthaltigkeit der Forderungen aus "Lieferungen und Leistungen" in ein anderes Licht setzen.

An einem Beispiel wird jetzt deutlich, wie leicht - meiner Meinung nach - die Finanzberichte manipulierbar sind.




Betrachten wir uns einmal die Rechercheergebnisse zu den GP MASTERS und wie sich dieses auf die Bilanzen und AdHocs der WIGE - MEDIA AG auswirkte.

Die Fakten


GP Masters war eine Rennsport Serie mit nur einer Fahrzeugmarke für ehemalige F1 Fahrer.

Vom 11.-13.11. gab es 2005 eine Veranstaltung in Kyalami Süd Afrika







Bereits 2006 wurden zwei der angesetzten vier Rennen abgesagt.












Für 2007 wurden dann Anfang des Jahres alle geplanten Termine abgesagt und die Betreibergesellschaft
GP Masters LtD stellte nach den bisherigen Recherchen
den Geschäftsbetrieb ein
.








Am 18.9.2007 stellte dann der Chasis-Lieferant Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, bedingt duch die Nichtbezahlung der Rechnungen.

Am 28.11.2007 wurde dann die Betreibergesellschaft endgültig liquidiert.









WIGE hatte eine Cooperation für drei Jahre bekannt gegeben.

Vermutlich schlug sich dieses (nach der üblichen WIGE - Handhabung) in den noch nicht fälligen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen nieder.










Soweit eigentlich ein ganz normaler Vorgang.
Zusammenfassung:
Nach einer Veranstaltung im Jahre 2005 folgen noch zwei weitere von vier angesetzen im Jahre 2006. Alle Veranstaltungen im Jahr 2007 werden früh abgesagt und der Veranstalter geht in die Insolvenz, weil er die Chasis-Lieferanten nicht bezahlen kann. Bereits das erste, für 2007 angesagte Rennen im Mai wird nicht mehr durchgeführt. WIGE hatte bereits frühzeitigalle Reisevorbereitungen und alle Flüge storniert.

Dann folgt Mitte November die Überraschung:

Am 19.11.2007 kommt eine verspätete (falsche) Gewinnwarnung-AdHoc, die die Prognose für das Gesamtjahr 2007 revidiert.




(1) Begründet wird dieses im November mit "evidenten externen Faktoren, die für das 4. Quartal Umsatzeinbußen von rund 3,5 Mio. verursacht haben" . Dumm nur, dass diese Rennserie bereits einige Monate und einige Quartale früher abgesagt wurde.

(2) Durch den "Ausfall der genannten Produktionen wird die bestehende Konzernfixkostenstruktur im vierten Quartal belastet" ....

(3) .... "kann man nicht an die ersten zwei erfolgreichen Quartale anschließen" ...

Fassen wir die WIGE-Angaben zusammen:
Die bereits Anfang des Jahres abgesagte Rennserie GP Masters führt zusammen mit den Unsicherheiten bei WINTERSPORT - Ereignissen zu einem Einbruch im vierten Quartal von 3,5 Mio. Euro. im letzten Quartal. Das bezeichne ich schlicht als Verarsch..... der Aktionäre.




Der Vergleich der Quartalsergebnisse zeigt dann, wie genau es WIGE mit den AdHocs nimmt.

(1)
Keinesfalls waren die ersten zwei Quartale erfolgreich, sondern Q1 hatte das schlechteste Ergebnis 2007.


(2)
In Q2 nehmen die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen noch einmal zu.





Keineswegs hatte das vierte Quartal "Umsatzeinbußen oder Umsatzrückgänge" gegenüber dem Vorjahr. Das Gegenteil zeigt der Quartalsvergleich.

Umsatzstand zum Quartalsende

2006

2007

3. Quartal

29.585 Mio

31.249 Mio

4. Quartal

37.006 Mio

39.325 Mio

Quartalsergebnis 4. Quartal

7.421 Mio

8.076 Mio

Quartalszuwachs 4. Quartal 2007 gegenüber 2006 === >

+ 655.000 T€


Die falsche Darstellung mit den "evidenten Faktoren" und dem unerwarteten Quartalsverlust taucht dann auch weiter in der 2007er Bilanz auf. Ob WIGE bei Rausgabe der AdHoc damals schon geahnt hat, dass die Bilanz nach den neuen Richtlinien IFRS 7 mit erweiteren Angaben zu versehen ist? Vermutlich kaum ..... Eventuell hat man auch nicht damitgerechnet, dass jetzt eine interessante Transparenz entsteht.

So spiegelt die Bilanz erstmals Details zu den von mir immer wieder "Bilanz schönigenden" Forderungen aus Lieferungen und Leistungen wider.

Hier der Auszug aus der Bilanz 2007 für den Buchwert der überfälligen und noch nicht wertgeminderten Forderungen.



Interessant dabei der Jahresvergleich und die Entwicklung der
Forderungen aus Lieferungen und Leistungen


2006
4.334 Mio. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
davon
2.395 Mio. überfällig ( <-- siehe Tabelle links)
1.935 Mio. somit noch nicht fällig

2007
5.241 Mio. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
davon
2.751 Mio. überfällig ( <-- siehe Tabelle links)
2.490 Mio. somit noch nicht fällig

2008
3.678 Mio. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
davon
1.841 Mio. überfällig ( <-- siehe Tabelle links)
1.837 Mio. somit noch nicht fällig





Meine Recherchen dokumentieren einen deutlich Anstieg der noch nicht fälligen Forderungen im Jahr 2007. Wie konnte dieses passiert sein, obwohl man doch eine Gewinnwarnung rausgegeben hatte? Wo konnten diese Forderungen herkommen, die vermutlich bereits im
2. Quartal zu einem Anstieg der Werte führten? Ein Jahresergebnis 2007 ohne diese Buchungsposten wäre ein kleiner Gau gewesen.



Erst die AdHoc zur Bilanz 2008 gibt überraschende Erklärungen



Hallo, jetzt werden vermutlich überfällige Forderungen aus "Lieferungen und Leistungen" als "risikoorientierte Abwertung internationale Forderungen" ausgebucht. Natürlich haben alle die internationale Finanzkrise im Blick und risikoorientierte Abwertungen sind der derzeit jeden Tag in den Medien zu finden. Nur um was handelt es sich bei der WIGE?


Überraschung!

Es geht wieder einmal um die




Jetzt komme ich ins Grübeln.

Wie kann ich 2007 eine Gewinnwarnung mit einer falschen AdHoc herausgeben, den Umsatzverlust der "ausländischen Rennserie" in der Bilanz beklagen, obwohl eine Forderung anscheinend bei den "noch nicht fälligen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen" in nahezu Millionenhöhe gelandet ist?

Es stand bereits Anfang des Jahres fest, dass die Veranstaltungen nicht stattfinden. Was für eine Rechnung hat man denn an die insolvente Firma gestellt? Doch nicht etwa eine Ausfall- oder Schadesersatzrechnung? Wie konnte denn eine solche Rechnung überhaupt noch die aufgelöste Betreibergesellschaft erreichen und wann wurde diese Forderung eigentlich gestellt, wenn doch Ende November bereits der Ausfall für eine Gewinnwarnung herhalten musste .....

Auf jeden Fall war spätestens bei der Gewinnwarnung bekannt, dass kein Geld zu holen ist. Selbst wenn man dann trotzdem ???? eine Forderung erstellt, so hätte diese spätestens beim Jahresabschluss ausgebucht werden müssen.

Die IFRS Regeln sprechen eine deutliche Sprache:

"Ein Wertminderungsbedarf besteht bei Vorliegen objektiver Hinweise, wie Zahlungsverzug über einen bestimmten Zeitraum, Einleitung von Zwangsmaßnahmen, drohender Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.. Beantragung oder Einleitung eines Insolvenzverfahrens."

Hier haben meiner Meinung nach sämtliche Kontrollfunktionen und Kontrollorgane (Aufsichtsrat) versagt.

Warum hat der Aufsichtsrat diese Buchung nicht hinterfragt? Was haben die bezahlten Wirtschaftsprüfer eigentlich testiert?

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